Im Blickpunkt

Erster OpSciTech Sommer-Workshop an der Universität Jena

Vom 07. bis 11. Juli 2008 fand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena der erste OpSciTech Sommer-Workshop statt. 28 Studentinnen und Studenten aus neun verschiedenen Ländern kamen nach Jena, um Vorlesungen renommierter Gastprofessoren zu hören, gemeinsam an Forschungsprojekten zu arbeiten, lokale Unternehmen der Optik-Industrie kennenzulernen und nicht zuletzt um einen Einblick in deutsche Kultur und Geschichte zu erhalten.

Der Sommer-Workshop ist Teil des zweijährigen Masterprogramms "Optics in Science and Technology", das die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Technische Universität Delft, das Imperial College London, das Institut d'Optique Paris und die Technische Universität Warschau in Kooperation anbieten.

Die Studentinnen und Studenten, die überwiegend aus asiatischen Ländern stammen und zum Teil bereits ein Jahr in Jena studiert haben, waren begeistert von ihrem Aufenthalt in Jena.

"Meine Zeit in Jena war großartig. Ich bin traurig, dass ich im kommenden Semester hier nicht mehr studieren werde. Die Stadt ist toll. Auch die Organisation des Studienprogramms und des Sommer-Workshops durch das Institut für Angewandte Physik der Universität waren spitze: Wir bekamen am Anfang einige Leute zur Seite gestellt, die uns mit allem geholfen haben – vom Weg vom Bahnhof zu unserer Unterkunft bis hin zu all den Formularen, die ausgefüllt werden mussten", erzählt Sandeep Kalathimekkad.

Er ist aus Indien nach Europa gekommen, um hier seinen Master zu machen. Das erste Jahr des zweijährigen Programms hat er in Jena verbracht – nach der Sommerpause wird er sein Studium in London fortsetzen. "Meine Freunde haben mich vor Deutschland gewarnt. Die Menschen dort seien unfreundlich, haben sie gesagt. Aber das ist nur ein Gerücht: Ich habe hier wirklich nur ausgesprochen nette und hilfsbereite Leute getroffen." Außerhalb der Universität hat der Fußball den nachhaltigsten Eindruck bei Sandeep hinterlassen: "Ich habe sechs oder sieben Spiele von Carl Zeiss Jena gesehen, besonders die DFB-Pokalspiele waren super. Mit etwas mehr Disziplin hätte es Jena sogar bis ins Finale schaffen können."

Auch Xiaoyu Sun aus China gefällt es in Jena: "Die Studienbedingungen sind gut, es gibt sehr gute Vorlesungen und die Dozenten sind geduldig und hilfsbereit. Außerdem ist die Atmosphäre in der Stadt klasse – es gibt viele junge Leute, viele ausländische Studierende und es ist immer etwas los."

 Sandeep Kalathimekkad (rechts) und Golam Kibria Chowdhury (links) sind begeistert von Jena. Ihr großes Vorbild ist der Jenaer Physiker Ernst Abbe - wegen seiner Leistungen auf dem Gebiet der Optik, aber auch wegen seines sozialpolitischen Wirkens.  Xiaoyu Sun (links) ist aus China nach Europa gekommen, weil er hier die beste Ausbildung auf dem Gebiet der Optik bekommen kann.

Während des einwöchigen Sommer-Workshops präsentierten die Studentinnen und Studenten ihre Forschungsarbeiten aus dem vergangenen Studienjahr und begannen in kleinen Arbeitsgruppen, neue Projekte zu entwickeln und neue Fragestellungen zu bearbeiten.

"Ich bin nach Europa gekommen, weil Europa im Bereich der Optik eine sehr lange Geschichte und viele ausgezeichnete Universitäten hat. Und ich bin nicht enttäuscht worden – die Lernbedingungen sind gut, wir haben sehr viel Zeit mit Experimenten im Labor verbracht", sagt Xiaoyu Sun. Kumel Kagalwala ergänzt: "Der Workshop ist eine gute Gelegenheit, sich mit den anderen Studentinnen und Studenten auszutauschen."

Neben der Projektarbeit standen auch Besuche bei den drei großen Unternehmen der optischen Industrie, Carl Zeiss Jena, Jenoptik und Schott, die in Jena angesiedelt sind, auf dem Programm des Sommer-Workshops. Hier hatten die Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, einen Eindruck von den Firmen zu gewinnen und sich über unternehmensinterne Forschungs- und Entwicklungsbedingungen und Berufsbilder zu informieren. Für die Unternehmen war der Besuch die Gelegenheit, sich dem hochqualifizierten Optik-Nachwuchs zu präsentieren und dessen Interesse an einer Tätigkeit bei ihnen zu wecken.

Joanna Nagadowska, als Polin eine der wenigen europäischen Studierenden im Masterprogramm OpSciTech, kann sich gut vorstellen, einmal in Deutschland zu arbeiten. "Wenn ich mein Deutsch weiter verbessern kann, würde ich später gerne in Deutschland arbeiten. Mir haben unsere Besuche bei Carl Zeiss, Jenoptik und Schott gut gefallen. Das sind alles großartige Unternehmen."

Ob Golam Kibria Chowdhury einmal in Deutschland arbeiten möchte, weiß er noch nicht. Auf jeden Fall möchte er aber im Anschluss an seinen Master und einen Doktor in einem Unternehmen arbeiten. "In meinen Augen ist die Forschung der Weg, etwas für eine höhere Lebensqualität, für ein besseres Leben zu tun. Um das zu erreichen, müssen Forschungsergebnisse letztendlich zu den Unternehmen transferiert werden – nur so kommen sie der ganzen Gesellschaft zugute."

Kumel Kagalwala hat ebenfalls schon konkrete Zukunftspläne. Er möchte zurück nach Pakistan und dort an einer Universität lehren. "Zurzeit werden in Pakistan in Zusammenarbeit mit europäischen Ländern Universitäten aufgebaut. Zum Beispiel die Pakistanisch-Französische Universität in Karatschi. Am Anfang werden dort viele französische Dozenten lehren. Die sollen dann im Laufe der Zeit durch Pakistanis ersetzt werden – ich wäre gerne einer von ihnen. So möchte ich etwas für mein Land tun."

 Joanna Nagadowska und Krzysztof Wielgo stammen aus Polen und haben das vergangene Studienjahr in Jena verbracht. Joanna kann sich gut vorstellen, hier einmal für eines der drei großen Jenaer Optik-Unternehmen zu arbeiten.  Kumel Kagalwala sieht seine Zukunft in Pakistan. Dort möchte er das Wissen, das er in Europa erworben hat, an die nächste Generation pakistanischer Studentinnen und Studenten weitergeben.

Doch nicht nur die Studentinnen und Studenten waren zufrieden mit dem Programm, auch Prof. Dr. Thomas Pertsch, Nachwuchsforschungsgruppenleiter beim vom BMBF geförderten ZIK ultra optics, der das Masterprogramm und den Sommer-Workshop in Jena koordiniert und organisiert, zog eine positive Bilanz. "Aus Sicht der Professoren von allen fünf Universitäten war der Sommer-Workshop ein voller Erfolg. In den Präsentationen der Studentinnen und Studenten und den angefertigten Projektarbeiten konnten wir uns überzeugen, wie viel die Studierenden bereits im ersten Jahr ihrer Master-Ausbildung gelernt haben. So sind wir voller Hoffnung, am Ende des zweijährigen Studiums hervorragend ausgebildete Photonik-Experten in die Welt zu entsenden."

Die Professorinnen und Professoren der fünf kooperierenden Universitäten zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf des ersten Master-Studienjahres und des Sommer-Workshops.

OpSciTech ist eines von 101 Master-Programmen, die im Rahmen von Erasmus Mundus, einem Förderprogramm der Europäischen Kommission, finanziert werden. Diese Erasmus-Mundus-Studiengänge weisen zwei Besonderheiten auf: Zum einen sind es Studiengänge, die gemeinsam von mehreren europäischen Universitäten angeboten werden und einen Studienaufenthalt in zwei Ländern vorsehen. Zum anderen sind sie ganz speziell für außereuropäische Studentinnen und Studenten gedacht, für die das Programm Stipendien zur Verfügung stellt, die ihnen das Studium in Europa ermöglichen.

Für das Masterprogramm OpSciTech und den Sommer-Workshop kooperieren Institute der Universitäten von Delft, Jena, London, Paris und Warschau. Auf Seiten der Universität Jena ist die Physikalisch-Astronomische Fakultät, die die wissenschaftliche Basis für das Zentrum für Innovationskompetenz ultra optics bildet, am Masterprogramm beteiligt.

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und ihre vier europäischen Partner bieten den Master derzeit zum ersten Mal an. Die Studierenden, u.a. aus China, Indien, Pakistan, Äthiopien, den Philippinen und Malaysia, studieren während des zweijährigen Masters für ein Jahr an einer der fünf Universitäten, im zweiten Jahr wechseln sie an eine der anderen Universitäten. Und zwischendurch steht ein einwöchiger Sommer-Workshop auf dem Programm, der in Zukunft jedes Jahr an einer anderen der fünf Universitäten stattfindet.


Nähere Informationen zum Zentrum für Innovationskompetenz ultra optics finden Sie hier.