Im Blickpunkt

Erfolgreiche Zwischenbegutachtung für Dresdner Wachstumskern MBC

Nach knapp einem Jahr Förderzeit hat der Wachstumskern "Molecular designed Biological Coating (MBC)" am 4. Juni 2008 seine Zwischenbegutachtung erfolgreich gemeistert. In einem Kolloquium präsentierten die Vertreter der sechs Verbundprojekte den Status quo ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.

Hans-Peter Hiepe (BMBF), Dr. Hartmut Paetsch (PTJ), Prof. Dr. Christian Jürgens (BG-Unfallkrankenhaus Hamburg), Prof. Dr. Tobias Schlapp (Essex Burgwedel) und Prof. Dr. Jürgen Popp (FSU Jena) begutachteten im Anschluss die bisherigen Arbeitsergebnisse des Wachstumskerns. Sie zeigten sich beeindruckt von der positiven Entwicklung des Wirtschafts- und Wissenschaftsnetzwerks in den vergangenen elf Monaten.

Hans-Peter Hiepe: "Ich freue mich, welchen Weg Sie in nur einem Jahr genommen haben. Aus unserer Sicht haben Sie den ersten Meilenstein prima gemeistert. Wir wünschen Ihnen für die weitere Förderzeit alles Gute und viel Erfolg."

Prof. Dr. Tobias Schlapp sprach von einer sehr "interessanten Entwicklung des Netzwerks." Es sei offensichtlich, dass sich der Aufwand und die Investition in Strategie und Management lohnen. Prof. Dr. Jürgens schloss sich an: "Hut ab vor Ihrer Leistung."

Hans-Peter Hiepe ermutigte das Team um Wachstumskern-Sprecher Dr. Wilhelm Zörgiebel, MBC als einheitliche Marke aufzubauen, um die grundlegende Technologie unter diesem gemeinsamen Dach erfolgreich vermarkten zu können. Er bezeichnete den Zusammenhalt der insgesamt 18 Netzwerkpartner als große Chance, ein klares Kompetenzprofil in der Region Dresden aufzubauen.

Dr. Wilhelm Zörgiebel dankte den Gutachtern und bekräftigte: "Der Wachstumskern MBC wird auch in der Zukunft mit dem gleichen Elan weiterarbeiten und die MBC-Technologie als Plattform für zahlreiche Anwendungen zur Biofunktionalisierung von technischen Oberflächen etablieren".

Intensive F&E-Arbeit in sechs grundlagenorientierten Teilprojekten

Grundlage für die positive Begutachtung waren die detaillierten Berichte über die fachlichen Zwischenergebnisse aus den sechs grundlagenorientierten Verbundprojekten.
So präsentierte Projektleiter Prof. Dr. Gerhard Rödel vom Institut für Genetik der TU Dresden die Ergebnisse aus dem Verbundvorhaben MaBioS, das sich mit maßgeschneiderten biofunktionalisierten Schichtsystemen und Mikroorganismen befasst. Die Wissenschaftler arbeiten daran, die Oberflächen technischer Materialien durch so genannte biologisch aktivierte Oberflächen in noch nicht gekannter Form zu veredeln. Laut MaBioS-Projektleiter Rödel liegt das Team gut im Zeitplan und hat unter anderem erste Fortschritte bei der Isolation von rekombinanten Proteinen erzielt, mit denen zukünftig Oberflächen beschichtet werden sollen.

Diese Erkenntnisse kommen auch dem Verbundvorhaben BIORAS zugute, in dem es um die Reduzierung anionischer Schadstoffe in belasteten Gewässern geht. Mit diesen neuartigen biologisch aktiven Schichten könnten zukünftig beispielsweise Industrieabwässer oder Arsen-verseuchtes Trinkwasser - unter anderem in Asien ein großes Umweltproblem - gereinigt werden. Über eine Art Filtersystem, dessen Oberfläche mit bestimmten Molekülen bestückt ist, die das Arsen binden können, ließe sich das Trinkwasser biologisch klären.

Selbstauflösende Knochenimplantate aus Metallschaum

In einem weiteren Verbundprojekt arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an "Biofunktionalisierten Metallschäumen als Knochenimplantaten" (POROMES). Hier präsentierte Dr. Sophie Rössler (InnoTERE GmbH) die Entwicklung des Verbundvorhabens und erklärte, dass die erzielten Ergebnisse den gesetzten Vorgaben im Antrag entsprechen würden. Mit der MBC-Technologie sei es gelungen, für so genannte poröse Implantatmaterialien einen großen Schritt in Richtung Biokompatibilität und Biomechanik voranzukommen. Derzeit liegen gute Ergebnisse für Eisen- und Titanschäume vor.

Mit den Ergebnissen aus diesem Projekt sollen in Zukunft Knochenimplantate entwickelt werden, die die Natur kopieren und die besser verträglich sind als jedes bisher bekannte Material. Das zweite Anwendungsziel in diesem Bereich: Metallschaum als Kitt für gebrochene Knochen. Indem der Patient ein Metallimplantat mit einer biologisch aktiven Oberfläche eingesetzt bekommt, werden der echte und der unechte Knochen haltbar miteinander verbunden. Im Heilungsprozess wird dann der falsche, aus Metallschaum bestehende Knochen Stück für Stück von echtem Gewebe durchsetzt. Genau dann, wenn der echte Knochen stark genug ist und die Prothese nicht mehr nicht braucht, löst sie sich auf - so die ambitionierte Vision der Forscher.

 Dr. Wilhelm Zögiebel, Sprecher des Wachstumskerns, zeigte sich optimistisch, dass die MBC-Technologie auf dem Markt etablieren wird.  Dr. Sophie Rössler beschrieb die Vision der Forscher/-innen, sich selbstauflösendende Knochenimplantate zu entwickeln.
 Das Gutachter-Team (v.l.n.r.): Prof. Dr. Jürgen Popp (FSU Jena), Prof. Dr. Christian Jürgens ( BG-Unfallkrankenhaus Hamburg), Prof. Dr. Tobias Schlapp (Essex Burgwedel), Hans-Peter Hiepe (BMBF) und Dr. Hartmut Paetsch (PTJ).
 

Konkrete nächste Schritte

Im zweiten Teil der Veranstaltung fasste Wachstumskernkoordinator Dr. Martin Jung (Biotype AG) die Entwicklung von MBC aus Sicht des Wachstumskern-Managements zusammen. Wichtige Entscheidungen werden, so Jung, in einer Strategiegruppe getroffen, die von Dr. Wilhelm Zörgiebel (Biotype AG) geleitet wird. Wertvolle Unterstützung bei ihrer Arbeit erfährt die Leitung des Netzwerks von den fünf Arbeitsgruppen Controlling, Finanzierung, Forschung und Entwicklung, Marketing und Ausbildung, die seit September 2007 aktiv sind.

Als ein Ergebnis der strategischen Überlegungen zur Weiterentwicklung des Bündnisses ist eine Unternehmensausgründung zusammen mit einem externen Partner geplant, die sich mit biologisch funktionalisierten Oberflächen auf Textilien beschäftigt.

Zudem sollen weitere Marketingmaßnahmen starten, um MBC bekannter zu machen und neue Projektpartner für den Verein Biomatum (Biomaterialtechnologie für Technik und Medizin) e.V. geworben werden. Der Verein flankiert die F&E-Arbeit des Wachstumskerns durch Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit. In wenigen Jahren soll aus dem Verein ein Unternehmen entstehen, dass das im Wachstumskern gebündelte Know-how in wirtschaftlichen Erfolg und in neue Arbeitsplätze umwandelt.

MBC-Vision und weltweites Potential

Erklärtes Ziel des Wachstumskerns ist es, in den kommenden drei Jahren erste Anwendungen zu realisieren und das umfangreiche Potenzial der neuen Technologie in Medizin und Technik zu demonstrieren, um MBC als neue industrielle Technologieplattform zu etablieren. Nach der bis 2010 dauernden Förderphase soll sich ein Wirtschaftscluster in der Region Dresden entwickeln, das bis 2016 einen Umsatz von über 100 Millionen Euro generieren und mehrere hundert neue Arbeitsplätze schaffen soll. Das Marktpotenzial ist enorm, es wird von Experten allein in Europa auf über sieben Milliarden Euro geschätzt.

Im Wachstumskern MBC haben sich 13 Unternehmen, vier Fraunhofer-Institute und die TU Dresden zusammengeschlossen. Die Partner verzahnen inhaltlich die Fachbereiche Biotechnologie, Ingenieurwissenschaften und Physik und wollen so neue Horizonte erschließen. Das BMBF fördert das Projekt bis 2010 mit 6,1 Mio. Euro. Die Anwendungsgebiete für die MBC-Technologie sind breit gefächert: von der Autoindustrie über die Umwelttechnologie bis hin zur Medizintechnik.


Weitere Informationen zum Innovativen regionalen Wachstumskern MBC finden Sie hier.