Im Blickpunkt

4. Glykan-Forum in Berlin

Süß. Dickmacher. Kalorien. Weiß. Oder braun. In Würfeln. Oder zum Streuen. Es fällt einem so einiges ein zum Thema Zucker. Nur nicht, jedenfalls nicht sofort, dass dieser Stoff heilsame Kräfte besitzt. Gerade darüber wurde jedoch am 23. und 24. Mai 2008 auf dem 4. Glykan-Forum in Berlin debattiert.

"Glycobiotechnology - New Developments for Medicine, Pharmaceutics and Nutrition" hieß die Tagung im traditionsreichen Harnack-Haus nahe dem Campus der Freien Universität Berlin.

Zum 4. Glykan-Forum, das - wie bereits beim letzten Mal - international ausgerichtet war, kamen rund 250 Teilnehmer, überwiegend aus Europa und den USA. Dies unterstrich auch in diesem Jahr wieder die Bedeutung als internationale Fachtagung.

Für Dr. Markus Berger (AG Glykodesign und Glykoanalytik am Zentralinstitut für Laboratoriumsmedizin und Pathobiochemie der Charité Berlin) war besonders wichtig, dass das Glykan-Forum eine Plattform für den Dialog von Wirtschaft und Wissenschaft bietet. "Das Forum verbindet auf in Deutschland einzigartige Weise die Darstellung der neuesten Ergebnisse der technologischen Entwicklung auf dem Gebiet der Glykowissenschaften mit der der Anwendungen im medizinischen, pharmazeutischen und biotechnologischen Sektor", sagte der Wissenschaftler.

 Prof. Dr. Rudolf Tauber vom InnoProfil Glykodesign und Glykoanalytik begrüßte die Teilnehmer/-innen des 4. Glykan-Forums in Berlin.  Dr. Markus Berger, Nachwuchsforschungsgruppenleiter beim InnoProfil Glykodesign und Glykoanalytik und Organisator des Forums.

Kein Wunder, macht doch die Verbindung von Grundlagenforschung und angewandten Technologien diese Kongressreihe einzigartig und sowohl bei Forschern der Wissenschaftseinrichtungen als auch bei Vertretern der biotechnologischen KMU wie auch global agierender Unternehmen attraktiv.
Die Vorträge und Diskussionen zeigten klar,
  1. dass die Ergebnisse der Glykanforschung in den Bereichen der Pharmazeutika und "Functional Food" den Markt erreicht haben. Mit den in der Therapie von Viruserkrankungen eingesetzten Sialidase-Inhibitoren und mit den Heparinen gehören dazu klinisch hoch bedeutsame Therapeutika.
  2. dass auf dem Glykan- Forum darüber hinaus neue innovative Entwicklungen vorgestellt wurden, die sich zum Teil bereits in der klinischen Prüfung befinden.
  3. dass die Ergebnisse der Glykanforschung für die rekombinanten therapeutischen Glycoproteine und die therapeutischen monoklonalen Antikörper von großer Bedeutung sind. Diese "Biologicals" nehmen in der Klinik, beispielsweise in der Therapie maligner wie auch entzündlicher Erkrankungen, eine rasante Entwicklung.
  4. dass komplexe Kohlenhydrate als Biomarker neue methodische und apparative Möglichkeiten wie GlycanChips oder das GlycoProfiling zukünftig eine Rolle in der "In Vitro-Diagnostik" von Krankheiten spielen werden.
  5. dass eine große Perspektive für den Einsatz synthetischer Glycane als Vakzine besteht. Synthetische Glykan-basierte Impfstoffe könnten eine aktive Immunisierung von Infektionserkrankungen wie Malaria ermöglichen, für die bislang keine wirksamen Impfungen verfügbar sind.
  6. dass allerdings weiterhin großer F&E-Bedarf auf dem Gebiet der Glykobiotechnologie besteht, wie Dr. Berger betonte. Die komplexen Bedingungen der Herstellung "maßgeschneiderter" glykosylierter und rekombinanter Glykoproteine sind Gegenstand laufender Forschungsvorhaben. Wie die Prozesse der Biotechnologie und der Glykobiologie für die Herstellung definierter Glyko-Biopharmazeutika zusammengeführt werden können, wurde eindrucksvoll auf dem Workshop "Strategies for Process Development in Glycobiotechnology" demonstriert, der durch die AG Glykodesign und Glykoanalytik organisiert wurde.
  7. dass der sorgfältigen Sicherung der Forschungsergebnisse durch Patentschutz bislang an den Wissenschaftseinrichtungen immer noch zu wenig Beachtung geschenkt wird.

Aber da man nicht den ganzen Tag nur forschen und fachsimpeln kann, freuten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass am Abend des Eröffnungstages der Film "Der Zucker-Code" ausgestrahlt wurde, in dem die fundamentalen Fortschritte der Glykanforschung und die Perspektiven dieses Forschungsgebiets in der Medizin gezeigt werden.


Weitere Informationen zum InnoProfil Glykodesign und Glykoanalytik finden Sie hier.