Service

25.04.2008

Acht neue Standorte für Spitzenforschung in Ostdeutschland

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Aufbau von acht neuen Zentren für Innovationskompetenz mit insgesamt 50 Millionen Euro.

Bundesforschungsministerin Schavan stellte die neu ausgewählten Projekte des BMBF-Programms "Zentren für Innovationskompetenz: Exzellenz schaffen - Talente sichern" am Freitag in Berlin vor. 

Die Projekte hatten zuvor ein einjähriges Coaching von professionellen Strategieberatern erhalten und sich mit ihren Konzepten einer externen Jury unter Vorsitz des früheren Bundesforschungsministers und ausgewiesenen Ostexperten Klaus von Dohnanyi gestellt. Der Aufbau der Zentren erfolgt an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Dresden, Halle, Greifswald, Potsdam, Jena und Freiberg. Gefördert wird international leistungsstarke Grundlagenforschung, die bereits ihre erfolgreiche Umsetzung an Hochtechnologiemärkten im Blick hat.

 

Bekanntgabe der neuen ZIKs durch Bundesforschungsministerin Schavan.
 Die Kernjury der zweiten ZIK-Auswahlrunde (v.l.n.r.): Prof. em. Dr. Joachim Bargon, Dr. Tanja Wielgoß und der Juryvorsitzende Dr. Klaus von Dohnanyi.

 

Das BMBF stellt jedem Zentrum für Innovationskompetenz in den kommenden fünf Jahren jeweils rund 6,25 Millionen Euro Starthilfe zur Verfügung. Das Geld wird für die Umsetzung des Konzeptes und die Besetzung von zwei international ausgeschriebenen Nachwuchsforschungsgruppen à fünf Personen verwendet.

Mit der Vorstellung der neuen ZIK-Initiativen ist die zweite Auswahlrunde des Programms abgeschlossen. Aus einer ersten Programmrunde sind 2004 bereits sechs ZIKs sowie ein Verbund-ZIK hervorgegangen.


Die neuen Zentren für Innovationskompetenz im Überblick:

B Cube Dresden - Molecular Bioengineering, Dresden
B Cube strebt die Entwicklung neuer Materialien und Technologien nach dem Vorbild der Natur an. In der Pflanzen- und Tierwelt existiert eine Vielzahl bisher kaum erforschter funktionaler Systeme, die komplexe Prozesse in flexibler Weise verwirklichen. Wenn man sich diese natürlichen Vorbilder zu Nutze macht, ist die Entwicklung effizienterer neuer Materialien und Technologien möglich.
Um diese Ziele zu erreichen, identifiziert und analysiert B Cube natürliche Strukturen, wie sie insbesondere in Lebensräumen mit Extrembedingungen, z.B. in der Wüste, vorkommen. Anschließend werden die erfassten Strukturen und Funktionen in künstliche Systeme übersetzt und gegebenenfalls neu kombiniert. Denkbar sind so z.B. die Herstellung selbstheilender Materialien oder rohstoff- und energieeffizientere Prozesse auf Basis künstlicher Zellsysteme.

Kontakt:
Dr. Carsten Werner
Technische Universität Dresden/BIOTEC
B Cube
Tel.: (0351) 463 40 332
Email: werner@bcube-dresden.de
http://www.bcube-dresden.de/



HALOmem, membrane protein structure & dynamics, Halle
Membranproteine steuern und regulieren vielfältige essentielle Funktionen im menschlichen Körper. Deshalb werden sie bei der Herstellung neuartiger (maßgeschneiderter) Medikamente in Zukunft eine herausragende Bedeutung haben. Doch noch sind ihre Strukturen nur unzureichend erforscht. Mit neu entwickelten Methoden soll es möglich werden, die Proteine in ihrer Struktur und Dynamik zu charakterisieren. Bei der Initiative HALOmem steht dabei die in-vitro-Rekonstitution von Membranproteinen im Fokus. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind nicht nur für die weitere Grundlagenforschung, sondern auch für Industriepartner von großem Interesse.

Kontakt:
Prof. Dr. Milton T. Stubbs
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel.: (0345) 55 24 901
Email: stubbs@biochemtech.uni-halle.de
http://halomem.de/



HIKE - Humorale Immunreaktion bei kardiovaskulären Erkrankungen, Greifswald
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Europa die Todesursache Nummer Eins. Mittlerweile weiß man, dass Reaktionen des eigenen Immunsystems eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Krankheiten spielen können. Die Initiative HIKE hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Reaktionen des Immunsystems und speziell die Wirkungsweise von Antikörpern gegen körpereigene Proteine mit Methoden der Nanotechnologie zu erforschen. Die Wissenschaftler wollen die komplexen Strukturen, die durch Medikamenteneinnahme zur Bildung der schädlichen Antikörper führen, erforschen und die beteiligten Immunzellen charakterisieren.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Andreas Greinacher
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Tel.: (03834) 86 54 82
Email: greinach@uni-greifswald.de
http://www.hike-autoimmunity.de/



innoFSPEC (Innovative faseroptische Spektroskopie und Sensorik), Potsdam
Die Initiative will faseroptische Sensorik und Vielkanal-Spektroskopie zusammenführen, um innovative Analyseverfahren zu entwickeln. Die Lichtübertragung über optische Fasern, seit Jahren in der IT-Branche fest verankert, soll auch für den Bereich der Mess- und Analyseverfahren erschlossen werden. Das Potenzial der Faseroptik für solche Verfahren ist heute erst in Ansätzen verwirklicht und besitzt enorme Wachstumschancen. Die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Anwendungsfelder sind vielfältig: von der Fluoreszenzspektroskopie bis zur Krebsfrüherkennung, von Sensornetzwerken für Gas-, Druck- und Temperaturmessungen bis zur Prozesskontrolle in Chemie, Biotechnik, Lebensmitteltechnik, Pharmazie und Lasertechnologie.

Kontakt:
Dr. Martin Roth
Astrophysikalisches Institut Potsdam
Tel.: (0331) 74 99 313
Email: mmroth@aip.de
http://www.innofspec-potsdam.de/

Prof. Dr. Hans-Gerd Löhmannsröben
Universität Potsdam, Institut für Chemie
Tel.: (0331) 977 52 22
Email: loeh@chem.uni-potsdam.de



plasmatis, Greifswald
Die Initiative plasmatis will durch systematische Grundlagenforschung die Wechselwirkung zwischen physikalischem Plasma und lebender Materie erforschen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen könnte die Anwendung von Plasmaquellen bei Heilungsprozessen, insbesondere bei chronischen Wunden, entscheidend verbessert werden. Die Untersuchungen der Initiative sollen zur systematischen Erschließung innovativer therapeutischer Ansätze führen. Wichtig ist hierbei vor allem das Zusammenspiel zwischen der antiseptischen Wirkung von Plasma und seiner Fähigkeit, die Neubildung von gesundem Gewebe zu unterstützen. Die Wissenschaftler analysieren, wie man das Wachstum und die Vitalität von Zellen und Gewebe direkt (Prokaryonten-Eukaryonten) oder auch indirekt beeinflussen kann, beispielsweise durch Veränderungen des lebensnotwendigen Umfeldes (physiologische Flüssigkeiten).

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann
INP Greifswald e.V.
Tel.: (03834) 55 43 10
Email: weltmann@inp-greifswald.de
http://www.inp-greifswald.de/



SEPTOMICS - Fighting Sepsis, Saving Lives, Jena
Die Sepsis (umgangssprachlich "Blutvergiftung") ist die schwerste Form einer Infektion mit oft tödlichem Ausgang. Maßgeblich für das Überleben der Patienten sind ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit und ein schneller, am jeweiligen Patienten orientierter Therapiebeginn. Die Initiative will in einem interdisziplinären Zentrum Diagnose- und Therapieansätze für die lebensbedrohliche Sepsis erforschen und neue molekularbiologische und früh einsetzbare Diagnostika entwickeln. Kostenintensive Therapien könnten dann zielgenau eingesetzt und Behandlungskosten reduziert werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Konrad Reinhart
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: (03641) 93 23 101
Email: konrad.reinhart@med.uni-jena.de




SiLi-nano - Silizium und Licht: von Makro zu Nano, Halle (Saale)
Angesichts knapper werdender Energie-Ressourcen kommt dem Werkstoff Silizium eine besondere Bedeutung zu: Er wird aus Sand hergestellt und ist so fast unbegrenzt verfügbar, ist preisgünstig und in Verbindung mit Licht unterschiedlich anwendbar. Die Initiative SiLi-nano zielt auf die Schnittstelle von Silizium-Photonik und Photovoltaik. Die beteiligten Partner wollen Anwendungen, in denen Silizium in Kombination mit Licht zum Einsatz kommt, wissenschaftlich erforschen und technologisch ermöglichen oder verbessern. Ziel ist u.a., den Wirkungsgrad von Solarzellen durch neue Beschichtungen zu erhöhen und die optische Datenübertragung in der Mikroelektronik zu verbessern.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Physik
Fachgruppe für Mikrostrukturbasiertes Materialdesign
Heinrich-Damerow-Str. 4
06120 Halle
Tel.: (0345) 55 89 517
Fax: (0345) 55 27 391
Email: ralf.wehrspohn@physik.uni-halle.de
http://www.sili-nano.de/FhG.htm



Virtuhcon - Virtual High Temperature Conversion, Freiberg
Zahlreiche Produkte des täglichen Lebens, wie Kraftstoffe, Kunststoffe oder elektrische Energie, sind das Ergebnis industrieller Prozessketten. Am Anfang dieser Prozessketten stehen Hochtemperatur-Konversionsprozesse, in denen Rohstoffe wie Erdöl, Biomasse oder Kohle durch Erhitzung in synthetische Gase umgewandelt werden. Diese Gase werden anschließend zu Grundstoffen veredelt, aus denen typische Konsumprodukte hergestellt werden.
Gegenwärtig sind Hochtemperatur-Konversionsanlagen oft wenig effizient: Es muss eine vergleichsweise große Menge Energie eingesetzt werden, um einen neuen Grund- oder Werkstoff zu gewinnen. Gleichzeitig sind die CO2-Emissionen hoch. Virtuhcon hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf virtuellem Weg - und dadurch mit stark verkürzter Entwicklungszeit -effizientere und "CO2arme" Umwandlungsprozesse zu entwickeln. Die Erkenntnisse haben eine zentrale Bedeutung in Zeiten von Rohstoffverknappung und Klimaschutz und erhöhen die Nachhaltigkeit in der Stoff- und Energiebereitstellung.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Bernd Meyer
TU Bergakademie Freiberg
Tel.: (03731) 394510
Email: bmeyer@iec.tu-freiberg.de
http://www.virtuhcon.de/



Näheres zum Programm Zentren für Innovationskompetenz finden Sie hier. Informationen zu den ZIK-Initiativen finden Sie hier.

Dokumente