Im Blickpunkt

OncoRay-Wissenschaftler erhielt IBA-Europhysics Prize 2007

Professor Wolfgang Enghardt wurde am 3. Dezember 2007 für seine physikalischen Arbeiten zur Verbesserung der Krebstherapie mit Ionen ausgezeichnet.

Die Strahlentherapie mit Partikeln (Protonen und schwere Ionen) ist eine der vielversprechendsten Neuerungen der Krebsbehandlung für die kommenden Jahrzehnte. Grundlage dieser Therapie sind hochpräzise, besonders wirksame Strahlen, die exakt in den Tumor geleitet werden müssen. Hierzu ist eine akkurate Bestrahlungsplanung ebenso wie eine genaue Kontrolle der Strahlposition im Patienten unverzichtbar. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist der Physiker Professor Wolfgang Enghardt.
Jean-Marc Andral von der Firma IBA, die den Preis gestiftet hat,
der Preisträger Professor Wolfgang Enghardt und
Prof. Dr. rer. nat. Freiesleben von der Europäischen Physik-Gesellschaft.

Die Strahlentherapie trägt bereits heute bei der Hälfte aller Krebserkrankungen zur Heilung bei, mit jährlich steigender Tendenz. Für jede Strahlentherapie gilt, dass alle Krebszellen abgetötet werden sollen, aber gleichzeitig das gesunde Gewebe optimal geschont wird. Das Besondere der neuartigen Tumortherapie mit Partikeln (Protonen und Ionen) ist, dass diese in den Körper eindringen und in einer bestimmten Tiefe, die von der Geschwindigkeit der Partikel abhängt, stecken bleiben. Erst im Tumor also, wo die Partikel gezielt abgestoppt werden, wird die maximale Dosis abgegeben, das umliegende Gewebe wird so weitestgehend geschont.

Doch wie erkennt man von außen, dass der Partikelstrahl genau im Tumor - und nicht in gesunden Geweben davor oder danach - stoppt und seine zellschädigende Wirkung entfaltet? Wolfgang Enghardt, Professor im Dresdner OncoRay-Zentrum für medizinische Strahlenforschung in der Onkologie und Physiker im Forschungszentrum Dresden-Rossendorf, entwickelte hierfür ein intelligentes Verfahren. Er nutzt dabei aus, dass die Teilchen des Therapiestrahls auf dem Weg durch Gewebe mit anderen Teilchen kollidieren und so auch neue Teilchen entstehen können. Diese kurzlebigen Positronen, also die Anti-Teilchen zu den Elektronen, verraten sich durch zwei Lichtblitze, die mit Hilfe speziell für die Ionen-Therapie entwickelter Kameras erfasst werden können. So lässt sich der Weg des Ionenstrahls aufgrund der erzeugten Positronen genau nachverfolgen. Dieses Messverfahren,  kombiniert mit Präzisionsmessungen von Dr. Dieter Schardt von der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt, konnte die Tumortherapie mit schweren Ionen entscheidend verbessern. Professor Enghardts Verfahren kann zudem auch während der eigentlichen Strahlenbehandlung eingesetzt werden, so dass damit für jeden einzelnen Patienten und jede einzelne Strahlenbehandlung garantiert ist, dass das Dosis-Maximum des Ionenstrahls nur im Tumor abgegeben wird.

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