Im Blickpunkt

Hochzeit von Biologie und Physik: Dresdner Wachstumskern MBC gestartet

Biologisch aktive Schichten stehen im Fokus des Innovativen regionalen Wachstumskerns MBC (Molecular Designed Biological Coating), der jetzt in Dresden gestartet ist.

Das BMBF fördert das Projekt bis 2010 mit 6,1 Mio. Euro. 13 Unternehmen, vier Fraunhofer-Institute und die TU Dresden haben sich dafür zusammengeschlossen. Die Wissenschaftler und Unternehmer arbeiten in sechs Verbundprojekten und wollen technische Materialien in noch nicht gekannter Form veredeln und daraus innovative Produkte entwickeln. Die Anwendungsgebiete für die MBC-Technologie sind breit gefächert: von der Autoindustrie über die Umwelttechnologie bis hin zur Medizintechnik.

Abwässer biologisch klären

So könnten mit neuartigen biologisch aktiven Schichten Industrieabwässer oder arsen-verseuchtes Trinkwasser - beispielsweise in Asien ein großes Umweltproblem - gereinigt werden. Über ein Filtersystem, dessen Oberfläche mit bestimmten Molekülen bestückt ist, die das Arsen binden können, ließe sich das Trinkwasser biologisch klären. Mit einer ähnlichen Technologie, bei der gezielt Goldpartikel auf der Katalysatoroberfläche "montiert" werden, ließe sich der derzeitige Goldanteil im Autokatalysator um ein Vielfaches reduzieren. Die Kosten für dieses Bauteil würden spürbar sinken.

Knochenersatz aus Metallschaum

Die Visionen der MBC-Wissenschaftler für den medizintechnischen Bereich muten derzeit noch gewagt an: Knochenimplantate, die die Natur kopieren und besser verträglich sind als jedes bisher bekannte Material, wollen die Wissenschaftler bis 2010 entwickeln. Das zweite Ziel in diesem Bereich: Metallschaum als Kitt für gebrochene Knochen. Indem der Patient ein Metallimplantat mit einer biologisch aktiven Oberfläche bekommt, sollen der echte und der unechte Knochen haltbar miteinander verbunden werden können - es würde zusammenwachsen, was eigentlich nicht zusammengehört.

Krebsdiagnostik per Biochip

Für einen Durchbruch in der Krebsdiagnostik könnte das größte Verbundprojekt im Netzwerk sorgen, das von der Dresdner Firma Biotype koordiniert wird. Mit speziellen Biochips, gefüttert beispielsweise mit allen genetischen Versionen von Leukämie, ließe sich die Krankheit in einem frühen Stadium sehr schnell anhand eines Bluttropfens des Patienten erkennen. Mehr noch: der Chip würde außerdem zuverlässig bestimmen, um welche der vielen Arten von Blutkrebs es sich handelt. Der Arzt könnte direkt die richtige Behandlung auswählen, und die Überlebenschancen des Patienten würden steigen.

Ziel des Wachstumskerns ist es, in den kommenden drei Jahren erste Anwendungen zu realisieren und das umfangreiche Potenzial der neuen Technologie in Medizin und Technik zu demonstrieren, um die MBC-Technologie als neue industrielle Technologieplattform zu etablieren. Nach der bis 2010 dauernden Förderphase soll sich ein Wirtschaftscluster in der Region Dresden entwickeln, der bis 2016 einen Umsatz von über 100 Millionen Euro generiert und mehrere hundert neue Arbeitsplätze schafft. Das Marktpotenzial ist enorm, es wird von Experten allein in Europa auf über sieben Milliarden Euro geschätzt.

Wegbereiter und Verwerter Biomatum e.V.

Parallel zum Projektstart haben die Mitglieder des Wachstumskerns den Verein Biomatum (Biomaterialtechnologie für Technik und Medizin) e.V. gegründet, der sich mit Öffentlichkeitsarbeit und der Akquisition von neuen Partnern beschäftigt. In wenigen Jahren soll daraus dann ein Unternehmen entstehen, das das im Wachstumskern gebündelte Know-how in wirtschaftlichen Erfolg und in neue Arbeitsplätze umwandelt.